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Bericht des Hamburger Polizeipräsidenten über den Hamburger Feuersturm im Juli/August 1943

Britische Kampfflugzeuge hatten schon 1940 begonnen, militärische und wirtschaftliche Ziele im deutschen Raum zu bombardieren. Es war jedoch eine Serie systematischer Luftangriffe auf deutsche Städte, die der deutschen Bevölkerung seit 1942 die Kriegsrealität nahe brachte. Eine der spektakulärsten Aktionen war die sogenannte „Operation Gomorrha”, die im Juli 1943 Großteile der Stadt Hamburg zerstörte. Eine der verheerendsten Methoden des britischen Flächenbombardements war dabei der Einsatz von Brandbomben, wie er in dem folgenden Bericht des Hamburger Polizeipräsidenten beschrieben wird. Die insgesamt sieben Luftangriffe gegen Hamburg vom 25. Juli bis 3. August 1943 forderten über 40.000 Zivilopfer.

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[ . . . ] Der Eindruck beim Anblick eines ausgebrannten Stadtteiles ist farblos gegenüber dem Brand selbst, dem Heulen des Feuersturmes, dem Schreien und Wimmern der sterbenden Menschen und dem Krachen der dazwischenfallenden Bomben. [ . . . ]

Die Ursache für das besondere Ausmaß der schweren Schäden, vor allem aber die im Verhältnis zu früheren Angriffen außergewöhnlich hohe Zahl an Todesopfern, ist das Auftreten von Feuerstürmen. Durch sie wurde, hauptsächlich beim zweiten Großangriff in der Nacht vom 27. zum 28. Juli, eine Lage geschaffen, die in jeder Hinsicht als neu und unvorstellbar bezeichnet werden muß.

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Der Feuersturm und seine Erscheinungsweise sind feste, aus der Geschichte der Städtebrände bekannte Begriffe. Die Erklärung des physikalischen Vorganges ist einfach. Durch das Ineinanderfließen einer Zahl von Bränden wird die darüber befindliche Luft so stark erwärmt, daß sie infolge ihres verringerten spezifischen Gewichtes einen gewaltigen Auftrieb erhält, der zu einem stärksten Sog umliegender Luftmengen in radialer Richtung auf das Zentrum des Brandes führt. Durch diesen Feuersturm, insbesondere die gewaltige Sogwirkung, werden Luftbewegungen von größerer Stärke als die bekannten Windstärken ausgelöst. Wie in der Meteorologie ist also auch bei Feuerstürmen die entstehende Luftbewegung durch den Ausgleich von Temperaturdifferenzen zu erklären. Während diese in der Meteorologie im allgemeinen 20 bis 30 Grad Celsius betragen, handelt es sich bei Feuerstürmen um Temperaturdifferenzen von 600, 800 oder gar 1000 Grad Celsius. Aus diesem Umstande erklärt sich die ungeheure Gewalt der Feuerstürme, die mit bekannten und normalen meteorologischen Vorgängen nicht verglichen werden kann. [ . . . ]

Die städtebaulichen Verhältnisse in einem betroffenen Gebiet werden also in gleicher Weise die Entstehung eines Feuersturmes begünstigen oder verzögern, wie Art, Umfang und Größe der ursprünglichen Einzelbrände. In Hamburg sind die Feuerstürme in eng bebauten und dicht besiedelten Gebieten entstanden, in denen also bereits durch die Bauweise, Dichte und Massierung der betroffenen Gebäude günstige Voraussetzungen für die Entstehung eines Feuersturmes bestanden. In den in Hamburg betroffenen Gebieten befanden sich in durchweg engen Straßenzügen große Wohnhäuser mit zahlreichen Hinterhäusern, Terrassen (Hinterhöfen) usw. In diesen Höfen konnten sich in kürzester Frist Feuerkessel entwickeln, die im wahrsten Sinne des Wortes zu Menschenfallen wurden. Die engen Straßen bildeten Feuerschleusen, durch die lange Flammen hindurchgepeitscht wurden.

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